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Sportmedizin

Faszination Sportmedizin


Medizinischer Leiter des Zentrum für Sportmedizin am Unfallkrankenhaus Berlin, Mannschaftsarzt bei ALBA Berlin und Arzt in Praxis. Kurz: Dr. Moritz Morawski. Der gebürtige Berliner hat seinen Traum zum Beruf gemacht. Er erzählt uns im Interview, was ihn an der Sportmedizin fasziniert, welche Beweggründe dahinter stecken und verrät uns seine Top-Titel-Empfehlungen.

Dr. Morawski, warum haben Sie sich für die Sportmedizin entschieden?

Für mich stand schon immer fest, dass ich etwas im Bereich Sport machen möchte. In meiner Jugend war ich selbst sportlich sehr aktiv und hatte daher auch ursprünglich geplant, Sport zu studieren. Aufgrund mehrerer Verletzungen musste ich mich letztlich dagegen entscheiden. So entschied ich mich stattdessen für ein Medizinstudium mit dem Ziel, in der Sportmedizin zu praktizieren.

…es war also kein Wunsch, der sich erst im Laufe des Studiums entwickelt hat.

Genau! Ich war selbst als Sportler verletzt und fand es beeindruckend, wie mir damals geholfen wurde. Das wollte ich zurückgeben. Wenn ich selbst keine professionelle Karriere als Sportler mehr anstreben konnte, so wollte ich wenigstens mit Sportlern zusammenarbeiten und ihnen helfen.

Dr. Moritz Morawski, Medizinischer Leiter des Zentrums für Sportmedizin am UKB Dr. Moritz Morawski, Medizinischer Leiter des Zentrums für Sportmedizin am UKB und Mannschaftsarzt bei ALBA Berlin

Jetzt sind Sie nicht nur Sportmediziner, sondern auch Medizinischer Leiter des Sportzentrums am ukb und Mannschaftsarzt bei ALBA Berlin. Das klingt nach einer enormen Doppelbelastung. Wie vereinbaren Sie den Klinik- und Trainingsalltag?

Eigentlich ist es sogar eine Dreifachbelastung (lacht). An drei Tagen in der Woche bin ich zudem auch noch in einer Praxis tätig. Angefangen habe ich ganz klassisch in der Unfallchirurgie am Unfallkrankenhaus Berlin und leite mittlerweile das Zentrum für Sportmedizin. Außerdem bin ich Mitglied des unfallchirurgischen Teams – und wie Sie bereits erwähnten, bin ich Mannschaftsarzt für ALBA Berlin. Insgesamt ist es schon ein großes Pensum, das stimmt. Aber es ist genau das, was ich immer machen wollte – Patienten im Zentrum sowie in der Praxis und Sportler am Spielfeldrand betreuen und helfen. Da geht viel Freizeit drauf, allerdings erfahre ich in meinem beruflichen Umfeld große Unterstützung und bekomme den nötigen Freitraum, wofür ich sehr dankbar bin. Es ist anstrengend, aber durchaus machbar.

Wie unterscheiden sich Ihre drei Arbeitsbereiche? Gibt es Unterschiede oder gehen sie überall gleich vor?

Es unterscheidet sich kaum etwas – für mich ist in erster Linie wichtig, dass jeder Patient die gleiche Behandlung bekommt. Es gibt schwere Verletzungen im Sport, aber die gibt es genauso bei Patienten im Krankenhaus sowie in der Praxistätigkeit. Sicherlich ist der Druck bei Profi-Sportler etwas höher, weil jeder Tag für sie zählt. Insgesamt versuche ich aber keine großen Unterschiede zu machen.

Was unterscheidet die Sportmedizin von anderen Fachgebieten? Worauf kommt es an?

Ich denke, die Besonderheit in der Sportmedizin ist zum einen das Bauchgefühl, die richtigen Entscheidungen zu treffen und zum anderen die langjährige Erfahrung. In anderen Fachgebieten gibt es zahlreiche Leitlinien und viele Studien, die man anwenden kann – diese gibt es in der Sportmedizin zwar auch, allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich nicht jeder Sportler mit seiner Verletzung in eine Studie packen lässt. Es ist von entscheidender Bedeutung, jede Verletzung individuell zu betrachten. Zum Beispiel geht man bei einer Muskelverletzung von ca. vier Wochen Heilung aus. Steht aber ein wichtiges Spiel bevor, ist es auch durchaus möglich, den Patienten bzw. in diesem Fall den Sportler bereits nach dreieinhalb Wochen wieder freizugeben. Das muss gut überlegt sein. Dasselbe gilt für die Behandlungsmethoden. Diese kommen ebenso individuell zum Einsatz. Es gibt Methoden, von denen man weiß, dass sie helfen, die aber in einer Studie womöglich nicht überzeugten. Wie ich bereits sagte, Erfahrung spielt eine ganz große Rolle.

Sie sprechen von verschiedenen Behandlungsmethoden. Es gibt standardisierte Verfahren und sicherlich neue Methoden – schließlich entwickelt sich auch die Medizin ständig weiter. Gibt es diese Entwicklungstendenzen auch konkret in der Sportmedizin und wenn ja, welche?

Absolut! Die Sportmedizin entwickelt sich fortlaufend. Es gibt immer wieder neue Ideen, wie bestimmte Verletzungen schneller und besser behandelt werden können. Man muss aber auch dazu sagen, dass viele Verfahren, die vor 20 Jahren entwickelt wurden, noch heute ihre Berechtigung haben – das gilt für jedes Fachgebiet. So ist z.B. eine bereits etablierte Neuheit die ACP-Therapie bei Verletzungen von Muskeln, Sehnen und Gelenken. Es handelt sich hierbei um Eigenblutspritzen. Das eigene Blut wird entnommen, zentrifugiert – lediglich das Blutplasma wird entnommen und entsprechend aufbereitet. Dieses Verfahren erzielt häufig einen schnelleren Heilungsprozess. So können wir drei bis vier Tage bei einer Muskelverletzung gewinnen. Selbstverständlich muss bei neuen Methodiken immer geprüft werden, ob sie wirklich sinnvoll sind. Nicht alles, was neu auf dem Markt zu finden ist, wird auch in der Praxis genutzt. Auch hier ist die Erfahrung entscheidend.

Wie informieren Sie sich über aktuelle medizinische Entwicklungen?

Zum einen tausche ich mich viel mit Kollegen aus, die ebenfalls langjährige Erfahrungen mit Sportverletzungen besitzen und frage direkt „Hey, wie machst Du das?“- und zum anderen lese ich viele Fachzeitschriften, wie z.B. die Orthopädie und Unfallchirurgie up2date, die immer einen sehr informativen Teil der Sportmedizin widmen. Außerdem bietet sich die Zeitschrift von Elsevier Sport Orthopädie – Sport Traumatologie super an. Selbstverständlich gibt es auch zahlreiche Bücher, die man gelesen haben muss.

Das heißt, sie würden diese Fachmedien weiterempfehlen? Und welche Titel empfehlen Sie noch für angehende sowie bereits praktizierenden Sportmedizinern?

Definitiv! Ein Muss ist sicherlich der Titel von Müller-Wohlfahrt, Muskelverletzungen im Sport. Die Klassifikation ist sehr übersichtlich und die Behandlungsmethoden einleuchtend – ich wende auch viele Inhalte an, weil sie wirklich sehr sinnvoll und effektiv sind. Ansonsten ist es natürlich wichtig, sich eine solide Grundlage zu verschaffen. Hier bietet sich das Übersichtsbuch von Elsevier Sportverletzungen an. Es ist nicht zwingend, regelmäßig reinzulesen, mit den Inhalten sollte man aber schon vertraut sein. Da die Sonografie ein wichtiger Teil der Sportmedizin ist, eignet sich hier für den Einstieg z.B. das Buch Standardebenen der Sonographie der Bewegungsorgane an, um das Sonografieren schnell und gut zu lernen.

Sie besitzen unheimlich viel Praxiserfahrung und sind innerhalb Ihres Fachgebiets an vielen Stellen unterschiedlich tätig. Spielen Sie da auch mal mit dem Gedanken, Ihr eigenes Fachbuch zu veröffentlichen?

Ganz klar: nein. (lacht) Ich bin sehr praktisch veranlagt. Ich liebe es, mit Patienten und Sportlern zu arbeiten und bin nicht der Typ, der Vorträge auf der ganzen Welt hält und von Kongress zu Kongress jettet. Und so halte ich es auch mit dem Schreiben. Ich lese lieber, als zu schreiben.

Vielen Dank für das sehr nette Gespräch!

 

Produktinfos

 

Orthopädie und Unfallchirurgie up2date

Orthopädie und Unfallchirurgie up2date


Thieme


Einstiegspreis für Neuabonnenten 2019, € 173,00


Zur Zeitschrift

 

Sports Orthopaedics and Traumatology - Sportorthopädie - Sporttraumatologie

Sport Orthopädie – Sport Traumatologie


Elsevier


Bezugspreis, € 271,78


Zur Zeitschrift

Muskelverletzungen im Sport

Muskelverletzungen im Sport


Müller-Wohlfhrt, H.W.


2018, € 179,99


Zum Buch

Sportverletzungen

Sportverletzungen


Engelhardt, M.


2016, € 99,00


Zum Buch

Standardebenen der Sonografie der Bewegungsorgane

Standardebenen der Sonografie der Bewegungsorgane


Hinzmann, J.; Kupatz P.


2012, € 29,99


Zum Buch

 

 

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Bildquelle: ©adzicnatasa-iStock.com


Sibel Sümer

Sibel Sümer

Ist Teil des Redaktionsteams von frohberg und stellt jeden Monat ausgewählte Titel als Empfehlung zusammen. Neue, alte, ausgefallene oder internationale Titel – sie findet die richtige Ankündigung für jedes Fachgebiet. Damit versorgt sie unseren Blog regelmäßig mit einer Auswahl an Klassikern, Neuerscheinungen und Geheimtipps.


Ein Kommentar auf “Faszination Sportmedizin”

  1. Lisa Weber 9. September 2019, 8:45

    Hallo! Danke für den Beitrag. Ich selber hatte vor etwa zwei Jahren einen Hexenschuss. Sportmedizin hat mir bei der Heilung auch geholfen. Vor allem aber gegen die Verspannungen in den Schultern. Ich muss also auch schon sagen, dass das ein interessantes Thema ist und ich in der Zeit mehr über die Sportmedizin gelernt habe. Ich hatte damals einen Crosstrainer und habe auch NordicWalking gemacht. Ansonsten hatte ich noch ein elektronisches Heizkissen und machte gezielte Rückenübungen und dazu setzte ich öfters die Stufenlagerung ein. Heute habe ich eigentlich fast keine Verspannungen mehr. Manchmal habe ich etwas „Ameisenlaufen“. Ich habe aber auch eine sehr gute Physiotherapeutin. Das Ameisenhaufen kommt daher, weil die Verspannungen die Blutzufuhr zum Gehirn vermindern.

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